LITERATURSOMMER-LESUNG: DRUCKFRISCH
Manuela Tomić („Franček“, Wieser Verlag 2026), Grzegorz Kielawski („ICH SEHE DA VIEL SCHATTEN“ edition zzoo 2025), Max Ulrich („schwindel im funkenschlag“, edition zzoo 2024) und Rudolf Stueger („Alles in Ordnung“, Kētos 2026) stellen im Kino ihre aktuellen Buchneuerscheinungen vor. Literatur, die das Potenzial hat, die Tanzfläche und/oder Plenarsäle zu erobern.
Manuela Tomić liest aus ihrem neuen Debütroman „Franček“, erschienen im Wieser Verlag. Er vereint auf lyrische Weise bosnische Familientraumata mit weiblicher Zerstörungswut.
„Franček“, der Debütroman von Manuela Tomić, liest sich wie ein fabelhafter Fiebertraum in surrealistischem Stil, der von überraschenden Wendungen geprägt ist. In dieser scheinbar abgeschlossenen Welt werden große Tabus auf engem Raum verhandelt.
Grzegorz Kielawski: Der Text verdichtet und collagiert die wörtlichen Protokolle der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse: “betreffend mutmaßlich Käuflichkeit der türkis-blauen Bundesregierung” und “betreffend Klär von Korruptionsvorwürfen gegen ÖVP-Regierungsmitglieder.” 2 Der Text ist ein literarisches Dokument der leitkulturellen Protokolle. Im Vordergrund steht die Sprache der Auskunftspersonen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In eine lose Handlung eingebettet, die sachlich um die abstrakt relevanten Vorwürfe und Beweise kreist, fügen sich Zitate und Paraphrasen zu einem Psychogramm der Würden- und Leistungsträger. Ihr Wesen weist über den Standort Österreich hinaus.
Das Debüt von Max Ulrich "schwindel im funkenschlag" fügt jedem Bücherregal die Stimme eines lyrischen Ichs der jüngeren AutorInnen-Generation hinzu, die unverwechselbar am Puls der Zeit erklingt.
Rudolf Stueger: Alles in Ordnung Ein alphabetisches Gemälde (Kētos Verlag, Wien und Prag, 2026) „Alle Sprache ist am Ende Grusellyrik“, schreibt Rudolf Stueger in seinem experimentellen „alphabetischen Gemälde“, wo alles gleichzeitig geschieht: Der Autor hat die einzelnen Sätze dreier unterschiedlicher Erzählungen miteinander verwebt, unter Einhaltung gewisser Zusatzregeln alphabetisch geordnet und nach wiederum anderen Regeln mechanisch gekürzt und aneinander angeglichen. Das Ergebnis ist ein Roman, dessen Handlung man nicht chronologisch erfährt, sondern nach und nach detektivisch zusammensetzen muss. Es ist eine liebevolle Parodie unserer Zeit, eine Antwort auf KI-generierte